Es ist Dienstag, der 5te Dezember 2000, 23 Uhr....sind sie, eifrige Leser dieser Kolumne sich dessen bewusst, was das bedeutet? Ja, richtig, in etwa einer Stunde ist Nikolaus und wir alle werden in unseren mehr oder weniger blank geputzten Stiefeln mehr oder weniger erfreuliche Dinge vorfinden, die der nette, bärtige heilige einer christlichen Sage uns hineinestopft hat. Aber es gibt etwas noch viel wichtigeres, das mit dem 6ten Dezember zusammenhängt: Von da an sind es nur noch 4 Tage bis zu meinem Geburtstag! Jaja, sie haben richtig gelesen. Der junge, spontane und witzige Mann, der diese Kolumne und alles andere, was sie gerade erblicken (auf dem Monitor, meine ich!) erschaffen hat, der soeben noch in der Blüte seiner Jahre schien, quasi nicht alternd, von Frauen umschwärmt und von Männern gefürchtet, wird alt. 19 Jahre werden es in Kürze sein. Ein erschreckendes und weithin gefürchtetes Alter, das wissen alle unter ihnen, die schon einmal 19 geworden sind. Es bricht das letzte Jahr meiner Teenager Zeit an, und es bleibt mir nur noch ein Jahr bis ich in die Zwanziger komme und mein Leben damit faktisch vorbei ist. Denn wer erstmal 20 ist, der wird auch ganz schnell 30...40...50...usw. Für mich wird es also Zeit zurückzublicken. Zurückzublicken auf meine verblassende Jugend und die friedlichen und segensreichen Tage, die Abenteuer und Erlebnisse. Tja, das ist schnell getan, denn immerhin bin ich seit meinem 7ten Lebensjahr Schüler. Fast 12 Jahre habe ich nun in einer staatlichen Institution verbracht, die mit nicht enden wollendem Eifer versucht, mir Wissen zu vermitteln, um mich später in ein von Erfolg gekröntes Leben entlassen zu können...natürlich völlig ohne Hintergedanken. Eine schöne Zeit war das, oh ja. Nun werde ich sie nur noch wenige Monate genießen. Ich werde in die harte und kalte Welt hinausziehen, um jene stolz zu machen, die mir sinnvolle Dinge wie die analytische Geometrie, oder die innertropische Konvergenzzone nahegebracht haben, so dass sie dereinst im Zenit meines Erfolges zu mir heraufblicken, und sagen können: "Ja, diesem Mann habe ich den Weg geebnet.". Doch was ist das für eine Welt in die ich da entlassen werde? Sehen sie sich doch nur um. Die Menschheit sieht den einzigen Sinn ihrer Existenz darin, in möglichst kurzer Zeit, möglichst große Mengen kleiner, bunt bedruckter Scheine anzuhäufen, und nennt das ganze voller Stolz Kapitalismus, obwohl sich das doch eher nach einer Krankheit als nach einer funktionierenden Weltwirtschaftsordnung anhört (und es wohl auch ist). Wenn es wenigstens dabei bliebe. Aber die kleinen bedruckten Scheine verursachen noch so viel mehr unerfreuliche Dinge: Sie bringen die Polkappen zum Schmelzen, verpesten unsere Luft, vergiften unser Fleisch und korrupieren vormals rechtschaffene Politiker. So rücken wir der Apokalypse schrittchenweise näher, und glauben sie mir: Ich sehe schon die flammenden Feuerzungen vom Himmel herabregnen, wenn nicht bald jemand erkennt, dass man ruhig ein paar von besagten, bunt bedruckten Scheinen gegen etwas Lebensqualität eintauschen könnte. Ich wette da oben lacht sich irgendjemand ziemlich kaputt über uns...oder schüttelt resigniert den Kopf...nein, ich meine nicht Gerhard Schroeder...eher Gott oder sowas in der Richtung. Nun will ich ja aber auch nicht schwarzmalen. Trotz der Pestilenz, die uns die Zivilisation in so zahlreicher Form an den Hals gebracht hat war es sicherlich nicht der größte Fehler der Menschen, von den Bäumen runterzuklettern. Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt findet man auch im Chaos noch das eine oder andere, wofür es sich lohnt, frischen Mutes ein 19tes Lebensjahr anzutreten. Schnelle Autos, Frauen und Wodka zum Beispiel, oder...ähhh...streichen sie meine letzten Bemerkungen. Das muss schon jeder für sich selber rausfinden. Ich jedenfalls kann nur sagen: Am Sonntag werde ich mein nächstes Erdenjahr antreten, und ich werd mich durchbeißen, koste es was es wolle! Und da soll mich erstmal jemand dran hindern...ha! Buster, 05.12.2000