Ich heirate einen Schäferhund Liebe Leser und Leserinnen, ich muss es zugeben, die Fernsehwelt hat mich einmal mehr in ihren Bann gezogen. Nun endete das vergangene Jahr doch so vielversprechend: Big Brother ist einmal mehr überstanden (auch wenn diese größte Seuche der TV-Geschichte wohl leider wiederkommen wird), am 31. Gab es wie immer den Silversterstadl mit Karl Moik, auf den wir uns doch alle das ganze Jahr lang freuen, und der liebe Gott schenkte uns ertragreiche Fernsehquiz-Sendungen auf allen Kanälen, rund um die Uhr. Soweit so gut, doch oh Graus, was muss ich da im frisch angebrochenen Jahrtausend gleich als erstes bei meinem Lieblings Kulturkanal RTL sehen? "Ich heirate einen Millionär" heißt der neueste Erguss der holländischen Fernsehterroristen. Nein, dabei handelt es sich nicht, wie sie zunächst vermuten könnten, um ein auf Blondchen Linda deMol angepasstes Konzept von "Wer wird Millionär"...schlimmer! 50 Damen mittleren Alters, die ungefähr so aussehen wie 120 Jahre lang in einer Tupperdose aufbewahrt, prügeln sich um ein und denselben Mann. Soweit nichts schlimmes, auch wenn ich ungern mit dem armen Menschen tauschen möchte. Warum aber wollen die wasserstoffblonden Mädels nun ausgerechnet diesen einen Kerl, wo sie ihn doch noch nie zu Gesicht bekommen haben, und dies ihnen auch bis zum Ende der Show versagt bleibt? Ganz einfach: Der adrette Herr ist Millionär! Ich hätte mich ja grade noch auf meinem bequemen Fernsehsessel halten können, wären da nicht die ergreifenden Fragen des Millionärs an seine potentiellen Ehefrauen gewesen, wie etwa "Was ist dir an einer Partnerschaft besonders wichtig?" Ho ho, ein ganz gewiefter unser Gigolo hinter der Schattenwand, denn mit dieser Frage testet er natürlich, wie gut seine Kandidatinnen lügen können. Im Grunde ist die Antwort ja klar..."Das Geld natürlich, warum wäre ich sonst hier?" Aber nein, fröhlich flöten die Damen von Treue, inniger Liebe, Zusammenhalt und Offenheit. Mir kamen die Tränen. Allerdings erst nachdem das Abendessen wieder draußen war. In einer Sendung mit dem Titel "Ich heirate einen Millionär" vor einem Mann zu stehen von dem man nur weiß, dass er eben jenes ist und dann in lyrischen Tönen von solch hohen Werten zu schwafeln, das ist an Dreistigkeit ja wohl kaum zu überbieten. Liebe weibliche Wesen, ich kann nur an sie apellieren: Lassen sie es nicht zu, dass man in aller Öffentlichkeit ein so widerliches Bild von ihnen prägt, in dem sie nur als geldgeile, heuchlerische Luxusschlampen dastehen. Dazu gibt es wirklich zu viele anständige Mädchen auf der Welt. Sind wir denn wirklich schon so tief gesunken?? Brauchen wir eine Show in der es darum geht sich einen Mann nach der Dicke seines Geldbeutels auszusuchen? Was kommt als nächstes? Etwa "Ich heirate eine Porno-Queen"? Nach dem Motto: 50 Männer wollen die Frau mit dem größten Brustumfang Deutschlands? Ich glaube weit davon entfernt sind wir nicht mehr. Aber was bleibt klar denkenden Menschen wie uns, liebe Leser und Leserinnen schon übrig, als den Kopf zu schütteln angesichts solcher Aufführungen. Es gibt einfach schon zu viele Fernseh-Zombies, die selbst an derart perversen Shows ihren Spaß haben. Lasset uns beten für die Zukunft der Menschheit... Buster, 06.01.01