Surfer's Nightmare Wuaaaahhhhhh! Nach und nach brennen sich die einzelnen Buchstaben durch meine Netzhaut direkt in die empfindlichsten Synapsen meines Gehirnes. Dort angekommen formen sie, durch mein hochbegabtes Sprachzentrum zu einem vollständigen Satz aneinandergereiht, einen schrecklichen Sinnzusammenhang. Ich eile zum Medizinschränkchen in meinem Bad und nehme mit zittriger Hand die Schachtel mit konzentrierter Acetylsalicylsäure hervor. Keuchend und tief über das Waschbecken geneigt schlucke ich eine unbestimmbare Anzahl des Medikaments. Langsam hebt sich mein Blick an den schmutzigen Kacheln der Wand entlang zum Spiegel. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich glauben, einem völlig Fremden gegenüberzustehen. Aber immerhin ist das der Mann den ich täglich rasiere. Nunja, zumindest sollte ich das. Ich streiche über die kratzigen Stoppeln, die zusammen mit den blutig roten Rändern unter meinen tränenden Augen und dem wüsten Haar das Bild eines Alkoholikers am Neujahrstag perfektionieren. Einen Moment bin ich in Gedanken versunken, da reißt mich der stechende Schmerz wieder von den Beinen. Die durchweichte, stinkende Badematte dämpft meinen Sturz nur spärlich, aber meine Nerven sind zu angespannt um den Schmerz zu empfinden. Diese Worte! Unmöglich! Ich schlage hilfesuchend die Hände vor mein schmerzverzerrtes Gesicht, aber in der Dunkelheit sehe ich die Botschaft in Flammenden Lettern auf meiner Netzhaut tanzen. Bewusstlosigkeit übermannt mich. Als ich meine Augen wieder öffne sind etwa 24 Stunden vergangen. Ich schließe das daraus, dass es draußen dunkel ist, wie zum Zeitpunkt meines Sturzes. Aber es kann sich nicht um den selben Tag handeln, denn die vormals feuchte Badematte klebt, nunmehr ausgetrocknet, an meinem Gesicht. Mühsam quäle ich mich auf die Beine und massiere meine Schläfen. Der Handtuchhalter reißt krachend aus der Wand und löst eine Wolke abblätternden Putzes aus, als ich mich auf ihn stütze. Was solls. Es ist ohnehin schon lange her, dass ich ein Handtuch benutzt hätte. Als ich mich zur Türe des Badezimmers schleppe nehme ich den stechenden Geruch des üerfüllten Katzenklos wahr. Das erinnert mich daran, dass ich schon vor Wochen die Katze suchen wollte. Sie muss auch irgendwo zwischen meinen Unterlagen im Arbeitszimmer sein. Na egal. Da plötzlich bemerke ich an der Wand gegenüber das unmenschliche, künstliche Flackern meines Monitors. Wieder überkommt mich dieses Gefühl grenzenloser Angst. Einzelne Worte formen sich in meiner Erinnerung. Sie ergeben noch keinen Sinn, aber ich weiß, ich sollte sie fürchten. Der brennende, saure Schweiß rinnt mir in die Augen. Ich kann es nicht länger verdrängen. Ich brauche Gewissheit! Flach atmend nähere ich mich dem flimmernden Monitor. Meine panisch weit geöffneten Augen sind kurz davor entziffern zu können, was dort geschrieben steht. Ich beiße mir auf die Zunge um nicht gleich wieder bewusstlos zu werden und lese: "Die Telekom stellt ihren Tarif 'T-Online flat' ein" Es ist also wahr. All das Gerede vom jüngsten Gericht. In diesem Moment wünsche ich mir ein gläubigerer Christ zu sein. Aber andererseits...vielleicht sollte ich ohnehin weniger im Internet rumhängen. Diese ewigen Kopfschmerzen bringen mich noch um!