McHungersnot Nach meinem Kinobesuch am Abend verspüre ich ein leichtes Hungergefühl. Da es schon recht spät ist und mir beim Öffnen meines Geldbeutels eine einsame Motte lustig entgegenflattert, beschließe ich, eine unkomplizierte, preisgünstige und dennoch (wie ich mir immer einrede) nahrhafte Mahlzeit bei McDonalds einzunehmen. Bis hierhin nichts weiter besonderes. Ich war schon immer ein anhänglicher Mitesser auf der fettigen Stirn der Fastfood-Welt (trotzdem scheint mein Blut noch immer recht problemlos durch meine Gefäße zu fließen). Wie auch immer...jedenfalls stehe ich vor der netten, rundlichen Bedienung mit ihrem Hamburger-und-Fritten-Charme und überlege, was ich meinem Körper zumuten kann. Gerade spiele ich mit dem Gedanken den alten "Geben sie mir eine große Pommes – ohne Salz" - Witz zum Einsatz zu bringen, da schweift mein Blick vom pickeligen Antlitz der Aushilfs-Fritten-Fee über die fettverschmierte Tafel mit all den lukullischen Genüssen hin zu einem neuen Produkt. Lustige gelbe Elefanten und Äffchen preisen mir einen Burger an, dem McDoof in seiner schier endlosen Kreativität den Namen "McAfrika" gegeben hat. Ich bin wie hypnotisiert. Nach wenigen Minuten werde ich durch den Unmut wartender Kunden und die penetrante Piepsstimme der ungeduldigen Lebensmittelberaterin aus meiner Trance gerissen. In Gedanken versunken bestelle ich irgendetwas aus Fleisch oder fleischähnlichen tierischen Erzeugnissen und setze mich dann mit meinem Tablett an einen Tisch in meiner Lieblings-Kindergeburtstagsecke. McAfrika...erstaunlich! Wenn nicht sogar bizarr! Welches Genie mag wohl hier an der Namensfindung beteiligt gewesen sein? Ich meine stellen Sie sich das mal vor: Wir befinden uns hier an einem Ort, der quasi die Verkörperung westlichen Überflusses an Nahrungsmitteln ist. Eine Art kapitalistischer Tempel des Genusses in dem hunderte von Mitteleuropäern dem Fleischgott huldigen. Was von dem Super-Mega- Giganto-Spar-Menü nicht mehr in den aufgedunsenen Magen des wohlgenährten Rechtsanwalts passt, bleibt auf dem schlachtfeldartig verwüsteten Tablett liegen und landet in der Tonne um vielleicht noch den Hausratten (ich bin davon überzeugt, McDonalds versteckt verfettete Killer-Ratten in der Größe von kleinen Hunden vor uns) Freude zu bereiten. Und hier an dieser Quelle nicht enden wollender Nahrungsmittelberge bietet man mir allen Ernstes einen Mc A-F-R-I-K-A an?? Was für eine krankhafte Kette von Assoziationen bringt einen Menschen von Begriffen wie: Fleisch, Salat, Tomate oder Spezialsoße zu einem Land wie Afrika? Hat jemals einer von Ihnen in einem Reiseprospekt gelesen: "Besuchen Sie Afrika! Land der endlosen Völlerei!" oder "Afrika – Heimat herrlichster Genüsse!" oder vielleicht "Das gibt es nur in Afrika: Schmausen bis der Wanst platzt!". Ist vielleicht irgendjemandem bei einer Fernsehreportage schon mal ein kleines Kind in einem afrikanischen Dorf aufgefallen, dass genüsslich in einen BigMäc beisst und dabei mit der Barbie aus der Junior-Tüte spielt? Glauben Sie, dass man in Afrika jetzt McDrives statt Brunnen baut? Welcher gesunde Mensch würde jemals einen Mastbetrieb wie McDonalds mit einem Land in Zusammenhang bringen in dem hunderttausende hungern? Als ich kurz aus meinen Gedanken aufblicke merke ich, dass ich noch keinen Bissen von meinem Essen genommen habe. Gedankenverloren spiele ich mit einem verkohlten Kartoffelstäbchen. Vielleicht wollte das Management ja nur die kulinarischen Spezialitäten eines fremden Landes nach Deutschland bringen...Völkerverständigung und so. Aber ich glaube kaum, dass man irgendwo im schwarzen Kontinent kleine Fladenbrote mit fettigem Rindfleisch und Grünzeug belegt. Und falls doch, würde man dort sicher keine 4,35 dafür verlangen. Hat vielleicht ein Mitarbeiter des Vorstands nach der Rückkehr von seiner Safari von Menschen mit dicken Bäuchen erzählt und niemand kam auf die Idee, das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Menschen hungern? Oder dachte ein ganz pfiffiges Kerlchen sich einfach: "Wer an Afrika denkt, denkt an Hunger...und wer an Hunger denkt will was essen." ? Ich werde es nie erfahren. Aber denen trau ich alles zu. Irgendwie habe ich plötzlich keinen Hunger mehr. Außerdem glaube ich gerade aus dem Augenwinkel eine große, fette Ratte mit rotleuchtenden Augen hinter dem Kinderkarussell hervorlugen gesehen zu haben. Also gehe ich raus, setze mich in mein Auto, fahre heim und denke dabei daran, wie gut wir es doch eigentlich haben und wie selten wir uns das bewusst machen. Buster, 21.08.02