Eine nahezu wahre Geschichte Lange Zeit gab es nicht viel in der sonst achso aufregenden Alttagswelt über das es sich zu berichten lohnte. So gönnte ich mir einige Wochen der Muße. Auf meinem Landsitz in der Toskana genoss ich Abend für Abend die Aussicht auf das Rote Meer, während die lieblichen Weisen der Sirtaki-Tanzgruppe durch die kühle südafrikanische Winterluft zu mir herüberschallten. Einen guten finnischen Landwein in der einen Hand, eine herrlich aromatische Zigarre, von libanesischen Sherpas aus dem Dung ihrer Yaks kunstvoll gefertigt, in der anderen. So lehnte ich mich auf meinem mit Ziegenfedern gefüllten oktaederförmigen Sitzkissen aus dem 12. Jahrhundert zurück und sog die salzige Meeresluft mit bebenden Nüstern ein, während ich in der Ferne die Nebelhörner der im Containerhafen vor Anker liegenden Walfangschiffe flöten hörte. So oder so ähnlich muss es gewesen sein, als mich das Telefon plötzlich mit aufdringlichem Schellen zu Boden riss. Ich eilte durch das Fenster der Blockhütte hinein, da unglücklicherweise kurz zuvor der Duschvorhang, den ich in Ermangelung einer Tür benutzte um mein Hab und Gut vor Einbrechern zu schützen, hinter mir zugeschlagen war. Den Schlüssel hatte ich wohl auf dem Rand des Waschbeckens liegen lassen als ich mir, wie jeden Abend um diese Zeit, die Nasenhaare zupfte. Ein Teufelskreis! Als ich das immer noch kreischende Kommunikationsgerät erreichte, hob ich schroff den Hörer von der Gabel. Diese musste wohl noch vom Mittagessen stammen, denn das Telefon selbst war schnurlos. Forsch raunte ich die Person am anderen Ende der Leitung an: „Hallo? Wer da? Wissen Sie eigentlich wie spät es ist? ... Kurz nach zehn sagen Sie? Danke, meine Digitaluhr ist nämlich kaputt. Wahrscheinlich Sand zwischen den Zahnrädern. Was? Ein Notfall? Ich komme sofort!" Schon wenige Tage später beendete ich meinen wohlverdienten Urlaub jäh um mich zurück nach Norwegen zu begeben. Norwegen? Nein, das konnte nicht stimmen. Das andere Land mit P.....Deutschland! Ich bestieg das erste Luftschiff in meine Heimat und ließ mir von einem stark behaarten Steward einen Whiskey on the rocks ohne Whiskey bringen. Während ich die Eiswürfel lutschte starrte ich hinaus in den wolkenverhangenen Himmel. Der mysteriöse Anrufer mit der Fistelstimme hatte beunruhigende Informationen für mich gehabt, aufgrund deren Brisanz er sich nicht zu erkennen geben wollte. Während wir den Ärmelkanal überflogen wurde das Mittagessen gereicht. Meine innere Anspannung machte es mir jedoch unmöglich den köstlichen Trockenfisch zu genießen. Der Landeanflug gestaltete sich unruhig. Der Kapitän kam ursprünglich aus der Seeschifffahrt und war nur durch eine Verwechslung an Bord der Maschine gelangt. Während der echte Pilot sich auf der Toilette des Flughafens übergab (er hatte vor jedem Flug mit Lampenfieber zu kämpfen), hatten die Flugbegleiter den raubeinigen Seefahrer am Gate aufgegriffen. Aufgrund seiner Kapitänsuniform hielten sie ihn für ihren Piloten, obwohl er eigentlich nur auf dem Weg nach Thailand war um sich dort eine billige minderjährige Frau zu kauen. Sie betäubten ihn mit einem mit Kölnisch Wasser getränkten Taschentuch und setzten ihn ins Cockpit der Maschine. Als er aufwachte war die Reiseflughöhe von 35000 Kilometern schon erreicht. Daher dachte er sich: „Jetz is auch egal." Bei seiner Landung verlor das Flugzeug lediglich zwei Tragflächen, landete aber ansonsten sanft. Alle blieben unverletzt. Bis auf einen Herrn mittleren Alters, der durch einen unglücklichen Zufall am Trockenfisch erstickte. Nachdem ich mein Gepäck eilig durch den Zoll bugsiert hatte (ich sagte einfach es wäre eine lebende Milz für eine Transplantation) schnellte ich zum Taxistand, überwältigte einen der Fahrer und bemächtigte mich seines Fahrzeugs um zu meinem Haus zu gelangen. Nur schnell, keine Zeit verlieren! Zu Hause angekommen fuhr ich direkt ins Wohnzimmer. Für Türen war keine Zeit. Leider handelte es sich um eine tragende Wand, wodurch der gesamte Ostflügel meines Anwesens unter unglaublichem Getöse auf das Taxi herabprasselte. Geistesgegenwärtig erinnerte ich mich an meine Nahkampfausbildung und sprang mit einer gekonnten dreifachen Fleischrolle aus der Gefahrenzone. Als ich in die Küche hechtete erschallte hinter mir eine enorme Explosion. Ein argloser Passant hatte seine Zigarette achtlos in die Pfütze ausgelaufenen Benzins geworfen, wodurch das Automobil zerbarst und den Rest des Hauses zum Einsturz brachte. Nur knapp konnte ich dem Tode entgehen indem ich mich unter dem Küchentisch in Sicherheit brachte. Als sich der Staub gelegt hatte, fuhr ich aus meinem Versteck empor und richtete meinen angstvollen Blick auf den Küchenherd. Tatsächlich...der geheimnisvolle Informant hatte Recht...ich hatte bei meiner Abreise das Gas angelassen. Da hätte ja sonst was passieren können !!! Buster, 28.02.03